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Westbengalen – Sikkim

Es ist das Land der bösen Tiger und der gepanzerten Nashörner.
Die Rhinos wissen, wieso sie einen Panzer haben…Schlanke, langgliedrige Frauen in schönen, bunten Saris und Männer in Bundfaltenhosen, mit zu langen Plastikgürteln festgeschnürrt, radeln elegant auf riesigen, rostigen, eisenschweren Fahrrädern. Allesamt bepackt, als würden sie gerade umziehen – oder als wären sie auf der Flucht.

 

Die bengalischen Radler fahren mit ihren überladenen Stahlrössern auf dem Highway, als wäre der nur für sie gemacht. Kühe stoisch, heilig und ein bisschen blöd dazwischen. Ziegen blockieren orientierungslos den Mittelstreifen. Hunde dazwischen, die sich anscheinend wegbeamen können, bevor sie geplättet werden. Gekillt von den, schrottreifen, aber sehr bunten indischen LKWS, ohne funktionierende Bremse. Auf der „Autobahn von Westbengalen“ des Weiteren: Kinder in sauberen Schuluniform mit Fettgebäck in den Fingern. Omas mit scharfen, langen Sicheln in der Hand und einem vollen Graskorb auf dem Rücken. Seitlich Reisfelder – ein Land so flach wie Holland.
Alle hundert Meter riecht es nach Eiweißzersetzungsprozessen: So riecht Verwesung, der Geruch klebt an meinen Schleimhäuten. Mein Fahrer spuckt jedes Mal aus dem Fenster, wenn es so riecht.

Am Straßenrand liegt ein alter Mann still auf dem Rücken, die Polizei steht ratlos daneben. Im Tropengebüsch liegt sein kaputtes Fahrrad.
Ein indischer Fahrer wird mich mit einem Jeep nach Darjeeling fahren. Er spricht fließend Hindi. Ich nicht.

Die 200 Kilometer lange Fahrt von Phuntsholing nach Darjeeling war verwegen. Es war teuflisch heiß und der Fahrer donnerte wie besessen über die Schlaglöcher. Ich dachte die Räder fliegen gleich mit Antriebswelle ab. Anstatt der geplanten 3 Stunden, brauchten wir dennoch 7 Stunden.

Ich weiß nun, dass man Berge geradeaus hochfahren kann. Man muss es nur wollen, oder aus West Bengalen stammen.
Aus West Bengalen stammt die diesjährige Malaria, eine “Killermalaria” – Schlagzeilen Zitat der indischen Tageszeitung. Eine besondere Sorte Malaria, eine die gegen alles resistent ist, die das Hirn direkt zu Brei macht und das Leben weg kocht.

Es sind 46 Grad im Schatten und es ist schwül. Ich trage lange, dicke Socken, Langarmshirt und Langbeinhosen aus dem Mückenstichabwehrmaterial eines Markenoutdoorlieferanten aus Finnland. Darunter trage ich 98% DEET auf der Haut. DEET, das soll man nicht, auch nicht im Krieg, auf der Haut tragen, denn das macht Krebs. Und das Zeugs löst sogar Lack ab. Das mückenabweisende Mittel ist aus Amerika, dort wurde es im Korea- und Vietnamkrieg benutzt.  Die normale nordamerikanische Trapper Dosierung besteht aus 3% DEET, als mückenabwehrende Hautlotion.

 

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