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Ladakh

Unter dem Flugzeug hat sich eine kristallweiße Spitzendecke ausgebreitet. Berge rechts, links, vorne, hinten – soweit das Auge reicht.
Der Flieger umschifft die Bergspitzen wie ein Ruderboot die Klippen. Die „Götter“ sind zum Greifen nah:
Sichtflug und dann volle Pulle auf die Landebahn Lehs. So landet man auf 3600 Metern, inmitten des Himalayas 2009.

 

Leh: ein grünes Pappeltal mit türkisfarbenen Flussadern und jeder Menge indischem Militär. Bewaffnet stehen sie an der Landebahn Spalier. Die Schweinegrippe sorgt diesmal für noch mehr unsinnigen Papierkram. Mundgeschützte Krankenschwestern schauen einem tief in die Augen und stempeln eifrig das Sanskrit Formular für „Schweinegrippefreier Mensch“ ab.Die Sonne scheint, wolkenfreies Glück.
Doch erst mal brummt der Schädel, mein Körper fragt sich, was er mit diesem Scheiß soll. Ausnahmezustand für Herz und Kreiskauf. Schleppend langsam geht alles, das Blut kämpft sich durch meine Adern, trotz Aspirin. Zum Glück weiß das Blut noch nicht, dass es noch viel mehr durchstehen muss, als schlappe 3600 Höhenmeter bei Sonnenschein.

 

  • Nubra Valley India

 

Die indischen Royal Enfield Motorräder knattern auf der Straße, es sind wenig Touristen in Ladakh – aber anscheinend sind alle die da sind, zweiräderig motorisiert. Leh mutiert zum Goa der Berge. Gelangweilte Hippiekids mit verstaubten Haaren und stechend, blauen Augen flanieren in den Straßen, gemischt mit ergrauten Sinnsuchern aus aller Herren Ländern. Es gibt was zu bestaunen in Leh.Das denken sich auch die Kühe, denn die gucken besonders ausdauernd. Die vierbeinigen Verkehrsberuhigungen Indiens treten hier gemischt, mit zweibeinigen, orientierungslosen, beseelten Sandalenträgern, auf. Ein Schauspiel das sich am besten vom Dach des Touristen Hot Spots, namens „Il Forno“ – aus sicherer Entfernung, mit einer indischen Lasagne und mit einem Pott viel zu süßem Masala Tee betrachten lässt.

Drei Tage und viele Atemzüge später: ich bin immer noch im Schneckentempo unterwegs. Terrassenleben mit flatternden Gebetsfahnen, SPF 50 und literweise Wasser. Als kurzer „Fitness Scheck“: einmal um den Acker schleichen, einen knallgrünen, indischen Lolli kaufen und wieder ab in die Horizontale. Die Beine sind schwer, die Luft ist noch immer viel zu dünn für meine Lungen – und doch ist es schön.

 

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