Deutsch, Text

Westbengalen – Sikkim

Es ist das Land der bösen Tiger und der gepanzerten Nashörner.
Die Rhinos wissen, wieso sie einen Panzer haben…

Schlanke, langgliedrige Frauen in schönen, bunten Saris und Männer in fleckigen Bundfaltenhosen, mit Plastikgürteln radeln elegant auf riesigen, rostigen, eisenschweren Fahrrädern. Allesamt bepackt, als würden sie gerade spontan umziehen, oder als wären sie auf der Flucht.

 

Die bengalischen Radler fahren mit ihren überladenen Stahlrössern auf dem Highway, als wäre der nur für sie gemacht. Kühe stoisch, heilig und ein bisschen blöd dazwischen. Ziegen blockieren orientierungslos den Mittelstreifen. Hunde dazwischen, die sich anscheinend wegbeamen können, bevor sie geplättet werden. Gekillt von den, schrottreifen aber sehr bunten indischen LKWS, ohne funktionierende Bremse. Auf der „Autobahn von Westbengalen“ des Weiteren: Kinder in sauberen Schuluniform mit Fettgebäck in den Fingern. Omis mit scharfen, langen Sicheln in der Hand und einem vollen Gras Korb auf dem Rücken. Seitlich Reisfelder – ein Land so flach wie Holland.
Alle hundert Meter riecht es nach Eiweißzersetzungsprozessen: So riecht Verwesung, der Geruch klebt an meinen Schleimhäuten. Mein Fahrer spuckt jedes Mal aus dem Fenster, wenn es so riecht.

Am Straßenrand liegt ein alter Mann still auf dem Rücken, die Polizei steht ratlos daneben. Im Tropengebüsch liegt sein kaputtes Fahrrad.
Ein indischer Fahrer wird mich mit einem Jeep nach Darjeeling fahren. Anfang 30 ist er, eine fette Narbe hat er auf der Stirn, glasige Augen, fleckige Bundfaltenhose. Erspricht fließend Hindi. Ich nicht.

Die 200 Kilometer lange Fahrt von Phuntsholing nach Darjeeling war die Hölle. Es war teuflisch heiß und der Fahrer donnerte wie besessen über die Schlaglöcher. Ich dachte die Räder fliegen gleich mit Antriebswelle ab. Anstatt der geplanten 3 Stunden, brauchten wir 7 Stunden.

Ich weiß nun, dass man Berge doch geradeaus hochfahren kann. Man muss es nur wollen, oder aus West Bengalen stammen.
Der Wagen blieb plötzlich stehen, der Fahrer brach in Tränen aus. Er wollte spontan und jetzt sofort 2000 Rupien, oder er würde nicht weiterfahren. Ich stieg aus, hängte mich über die geöffnete Motorhaube, starrte das verrostete, verölte Zeugs an und sah nichts. Alles klasse an seinem Platz, kein Qualm und alle Riemen da und somit kein Grund anzuhalten. Ventilator drehte auch, alles gut. Da hilft nur ein gutes Buch und Nerven wie Stahlseile. Wutschnaubend sprang der Fahrer nach 45 Minuten wieder ins Auto und fuhr die verbleibenden 5 Kilometer Berg mit 100 Sachen hoch.

 

 

Aus West Bengalen stammt die dies jährliche „KILLERMALARIA“, Schlagzeilen Zitat der indischen Tageszeitungen. Eine besondere Sorte Malaria, eine die gegen alles resistent ist und einem direkt das Hirn zu Brei und das Leben weg kocht.

Ich schütze mich hysterisch gegen die kleine, tödliche Gefahr aus der Luft. Es sind 46 Grad im Schatten und es ist schwül. Ich trage lange, dicke Socken, Langarmshirt und Langbeinhosen aus dem Mückenstichabwehrmaterial eines Markenoutdoorlieferanten aus Finnland. Darunter trage ich 98% DEET auf der Haut. DEET, das soll man nicht, auch nicht im Krieg, auf der Haut tragen, denn das macht Krebs. Und das Zeugs löst sogar Lack ab. Das mückenabweisende Mittel ist aus Amerika, dort wurde es im Korea- und Vietnamkrieg eingesetzt. Nicht zum Bäume kahl machen, sondern für die Soldatenhaut. Meine Outdoor-Bluse ist inzwischen vom DEET stellenweise geschmolzen und farblich mutiert! Die normale nordamerikanische Trapper Dosierung besteht aus 3% DEET, als mückenabwehrende Hautlotion. Ich schaue dem Krebs gern ins Auge. Krebs kenn ich, Malaria nicht!

 

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