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Bhutan

Die Bumthang Region Bhutans ist so ziemlich die Mitte des Landes und das Herz von Bhutan.
In Bumthang wurden der König des Landes und seine vier Frauen geboren.

Auf den ersten Blick sieht Bhutan in 2006 so aus, wie eine Modelleisenbahnlandschaft.
Die Menschen hier sind gekleidet wie Trolle und Elfen.
Die Kinder tragen Gummistiefel. Rote Gummistiefel.
Die scheint der König günstig eingekauft zu haben, die haben nämlich alle.
Meine Reise ging auf und ab und rechts und links durch den Himalaya. Endlos lange Haarnadelkurven, wie japanische Nudeln.

Denk ich zurück an Bhutan, denk ich an die roten Gummistiefel.
Dann denke ich an Männer in Röcken, mit langen, wollenen Wadenkniestrümpfen.

Bhutan verehrt den Penis. Nicht so klammheimlich wie bei uns, in Bhutan ist der Penis Kult-Kultur-Religion. Gerne wird er mitsamt Hoden an Hauswände bunt und farbenfroh gemalt. Mal baumelt er hölzern, gipsen, metallisch, versilbert von Zimmerdecken, Klotüren, Kuhscheunen, Klöstern – prinzipiellaber immer an allen vier Ecken eines Hauses. Daneben gesellen sich spontane Bauernmalereien mit Blumenmotiven, Drachen, Garudas oder Donnerkeilen.

 

Kritiklos und mit Dankbarkeit wird die royale, potente Führungskraft, inzwischen mit 11 männlichen Nachfolgern gesegnet, akzeptiert. Wie ein Gott schenkt und nimmt er den Bhutanern Strom, Telefon, Kanalisation, Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Gummistiefel, Röcke, Wadenstrümpfe – eigentlich Alles.
Aber auch sehr oft mal eben gar nichts! Dann heißt es: Der König wird uns bald Strom, Telefon, Kanalisation, Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Gummistiefel, Röcke, Wadenstrümpfe zur Verfügung stellen – nicht jetzt,aber bestimmt später werden wir Strom, Telefon, Kanalisation, Straßen, Krankenhäuser, Schulen, Gummistiefel, Röcke, Wadenstrümpfe haben.

 

Damit die Bhutaner sich beständig mit der Härte und Schärfe ihres Daseins auseinandersetzen, gibt es hier ohne Ende Chilis. Morgens, mittags, abends: Chilis. Als Tourist ist man auch im Namen des Herrn unterwegs, der König ist auch mein Chef hier. Auf sein Konto gehen meine 204 US-Dollar am Tag. Dafür bekomme ich Wasser, Toiletten, Chilis, Pinienholzbetten und Äpfel – und grandiose Bilder von diesem unglaublichsten Fleck der Erde.

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